Was Bildung wirklich kostet
Ein Beispiel aus NRW
Bildung ist in Deutschland ein wichtiges Gut. Und Bildung ist in Deutschland eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Soll heißen wir alle haben etwas davon wenn wir von gebildeten Mitmenschen umgeben sind, darum sollen die Kosten für Bildung auf alle umgelegt werden. Sowas wie Schulgeld wurde schon vor langer Zeit abgeschafft, wir haben ja auch ein anderes System. Länder in denen die Eltern Schulgeld bezahlen müssen sind meist auch Länder in denen die Kinder später mal ihre alten Eltern versorgen. Wir dagegen haben eine Rentenkasse und finanzieren dadurch die vorherige Generation. Umso wichtiger ist es für die heutigen Rentner also das wir gebildet genug sind um deren Auskommen erwirtschaften zu können. Und die die uns nachfolgen sollen natürlich in der Lage uns im Rentenalter finanzieren zu können. Und das gilt ja nicht nur für die immer wieder kriselnde Rentenkasse sondern für die gesamte Wirtschaft in diesem Land.
Verzichten wir auf Bildung dann verzichten wir in der Folge auch auf Wohlstand.
Leider wird Bildung jedoch für immer mehr Menschen unbezahlbar. Immer neue Forderungen werden vor allen Dingen zu Beginn eines jedes Schuljahres gestellt. Diese zeichnen sich meist durch eine besondere Ignoranz der bestehenden sozialen Verhältnisse aus. Während auf der einen seite zunehmend darüber geklagt wird das immer mehr SchülerInnen durch ihre Eltern nicht einmal mehr die Versorgung durch Speisen und Getränke während der Unterrichtszeit sichergestellt werden kann werden auf der anderen Seite mit großer Phantasie ständig neue Zahlungspflichen ins Leben gerufen die die vorhandene Situation in vielen Haushalten noch verschlimmern.
Meine Söhne besuchen seit wenigen Wochen die Hauptschule, hier mal eine kurze Aufstellung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) der bisher zu tragenden Kosten:
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- Schulbücher & Atlas, je 38,00 €
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- Hefte, Mappen, Umschläge, Farbkasten, Stifte, je 35,00 €
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- Klassenfahrt, je 60,00 €
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- „Anschaffungen die Textil- & Kunstunterricht betreffen“, je 10,00 €
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- Material für Förderunterricht (für alle Schüler des Jahrgangs), je 6,50 €
- - Eigenanteil für Schülerticket, 120,00 für das erste und 60,00 für das zweite Kind (Jahresbeitrag)
Das macht 479,00 € für zwei Kinder !
Schulgeld zu zahlen wäre in vielen Ländern günstiger. Und nach Pisa kann man auch den Eindruck bekommen das man dort auch noch mehr für sein Geld bekäme. In diesem jahr war ich nicht auf der Elternversammlung auf der auch der ein oder andere Betrag auf Vorschlag der Lehrerin festgelegt wird. Meist wird dort auch noch ein sogenannter „freiwilliger Beitrag“ eingesammelt, ich will es erbettelt nennen. Der soziale Druck sorgt in aller Regel dafür das hier niemand ausschert, praktischerweise wird auch gleich ein Betrag vorgegeben (in früheren Jahren 5,00 €). Da unsere Schülertickets noch nicht eingetroffen sind kommen pro Tag auch noch weitere 3,60 € dazu. Das allerdings ist ein Sonderfall der auch daran liegt das die Schulen noch nicht so recht mit Kindern umzugehen gelernt haben deren Eltern sich trotz Trennung zu gleichen Teilen um die Kinder kümmern.
Das Fatale daran ist das sich kaum jemand traut aufzubegehren. Zu groß ist der soziale Druck. Zuzugeben das das Geld nicht da ist, oder nur unter Schwierigkeiten beschafft werden kann ist für viele undenkbar. Die Konsequenz ist das dann irgendwo anders eingespart werden muss. So kann im Extremfall Schule den Kindern sogar schaden, wir müssen nur mal was diese Summen für sozial Schwache bedeuten.
Und was bedeuten sie für die gesamte Bevölkerung ?
Ein Armutszeugnis !